Retro Classic 2026 in Stuttgart
Mitte Februar waren die Wetter- und Straßenverhältnisse doch noch recht winterlich. Wer hätte es gedacht, aber auch in Deutschland gibt es noch Winter! Das haben uns Januar und Februar 2026 eindrucksvoll gezeigt. Aber trotzdem hat die Retro Classics rekordverdächtig früh zum Start in die neue Oldtimer-Saison gerufen. Viele Aussteller machte das Kopfzerbrechen, denn wenn die zu präsentierenden Schätzchen kein Streusalz sehen sollen, ist der Transport im geschlossenen Anhänger Pflicht. Und auch bei den Messebesuchern war ein Unterschied im Verhalten gegenüber späteren Terminen erkennbar. Das für historische Fahrzeuge kostenlose Parken wurde nur von wenigen Fahrzeugbesitzern genutzt. Und die haben durchweg Fahrzeuge mitgebracht, die zwar die 30 Jahre schon überschritten haben, aber vom Zustand her eher nicht die Topexemplare waren, die man eben nur bei schönstem Wetter rausholt. Damit geht der Messe leider etwas Wesentliches verloren. Und das war leider nicht das Einzige, was nachdenklich gestimmt hat. Aber dazu später mehr.
Als Gesamtfazit möchte ich aber vorwegschicken: Schön war es wieder! Der Gemeinschaftsstand von BMW Classic und offiziellen BMW Clubs präsentierte sich wie im Vorjahr in der Halle 7 an identischer Stelle wie 2025, mit gleicher Standfläche und einer nahezu identischen Flächenaufteilung. Bewährtes aus dem Vorjahr wurde übernommen, aber die Exponate waren natürlich – bis auf ganz wenige Ausnahmen – alle anders. Und was die BMW Clubs und BMW Classic da wieder alles mitgebracht hatten! Die Fahrzeugauswahl und die Präsentation mit dem fast schwarzen Teppich und der exzellenten Lichtinszenierung waren allererste Sahne. Das wurde uns von vielen Messebesuchern zurückgespiegelt: Am BMW Classic Stand wurde nicht gespart.
Beim BMW Z3 Club e.V. gab es dieses Jahr einen wunderschönen Z3 2,8 roadster Facelift zu sehen, der in der seltenen Farbe stahlgrau metallic ausgeliefert wurde. Die Auswahl dieses Fahrzeugs von unserem Clubmitglied Andreas Gravert hatte gleich mehrere Vorteile. Zum einen wohnt Andreas nur ca. 25 km von der Messe entfernt, weswegen die Fahrt zur Messe und die Fahrt nach Hause trotz Winterwetter problemlos auf eigener Achse erfolgen konnte. Zudem ist das Auto über den Winter zugelassen, auch wenn es heute in den Wintermonaten nur bei gutem Wetter raus darf. Jedenfalls konnte sich der Club den Transport mit einem Anhänger ersparen. Der Z3 roadster von Andreas kam wie erwartet sehr gut beim Publikum an. Vor allem die Farbe und die Radialspeichenfelgen wurden von den Besuchern oft bewundert.
Flankiert wurde unser Z3 wie gewohnt vom Z1 und Z8. Weiter zur Standmitte hin waren die großen Coupés der Baureihen E9 und E24 platziert. Die 6er Baureihe E24 feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Daneben wurden die Jubiläen 60 Jahre 02-Baureihe und 40 Jahre BMW M3 gefeiert. Dass der Z3 dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert und die ersten Fahrzeuge in Deutschland damit ein H-Kennzeichen bekommen, mussten wir von der Standbetreuung dem interessierten Publikum verbal mitteilen, aber man kann ja schlecht alle Jubiläen aufzählen. So ganz nebenbei wurde die Firma BMW übrigens auch 110 Jahre.
Sehr gut inszeniert war die Präsentation 40 Jahre BMW M3 mit drei Exponaten der ersten drei Baureihen E30, E36 und E46. Und wer genau hingesehen hat, konnte feststellen, dass der E30 M3 in rot, der E36 M3 in daytonaviolett und der E46 M3 in laguna seca blau zusammen die M Farben des Logos interpretierten. Daher standen die Fahrzeuge auch im passenden Winkel zur Vorderseite vom Stand. Der über spezielle Scheinwerfer auf den Boden projizierte Schriftzug „40 Jahre ///M3“ rundete dieses gelungene Showelement ab.
Alle Fahrzeuge auf dem BMW Classic Stand aufzuzählen wäre zu viel an dieser Stelle. Aber ein paar Highlights möchte ich doch noch erwähnen: Seit vielen Jahren war endlich mal wieder einen BMW M1 auf dem Stand. Und was für einen! Der ursprünglich orangerote M1 zeigt sich heute in edlem schwarz metallic mit mehrteileigen BBS Speichenrädern und dem Heckflügel aus der Procar-Serie. Dieses Fahrzeug zog sehr viele Blicke auf sich. Aber auch die vier Coupés, die BMW Classic in dem seitlich geöffnetem Autotransporter mitgebracht hat, waren ein Hingucker. Zwei BMW Art Cars, darunter der E92 M3 Rennwagen „Jeff Koons“, ein E24 Rennwagen und ein E92 M3 GTS kamen sehr gut an. Und dann muss ich noch erwähnen, dass BMW auch wieder ein Neufahrzeug mitgebracht hatte, einen nagelneuen BMW iX3. Die Brücke von den klassischen Fahrzeugen zu diesem vollelektrischen SUV hat sich mir nicht sofort erschlossen, aber ich muss sagen, dass der Erfolg BMW absolut Recht gibt, dieses Auto mitzubringen. Das Auto war – als würde es auf der IAA stehen – offen, so dass die Besucher probesitzen konnten. An allen vier Messetagen war das Fahrzeug umlagert. Probesitzen bedeutete Wartezeit mitbringen, an allen Tagen zu allen Uhrzeiten! Man muss es BMW lassen: Hier ist BMW meiner Meinung nach ein großer Wurf gelungen, der eben auch das Publikum auf einer Oldtimer Messe interessiert. Und ich bin ehrlich: In anderen Hallen gab es auch Stände, auf denen es Neuwagen anzusehen gab. Messe ist halt immer auch ein Geschäft.
Das bringt mich dazu zu erzählen, wie es außerhalb des BMW Classic Stands auf der Messe aussah. Der BMW Club Mobile Classic, der letztes Jahr mit vier BMW 507 und einem weiteren Einzelstück für Furore gesorgt haben, war dieses Jahr leider, leider nicht dabei. Aber mit den anderen Ständen, bei denen es BMW Fahrzeuge zu sehen gab, hatte der BMW Classic Stand wieder sehr angenehme Nachbarn. Dazu zählten z.B. BMW Menton, Raab Classic, der BMW V8 Club, der Baur TC Club und erstmalig auch die 8er Freunde e.V., die neben dem offiziellen BMW Club zum E31 ebenfalls eine große Gemeinschaft bilden. Hier gab es wahrlich sehr spektakuläre 8er zu sehen, wie einen V8 Diesel im E31, einen Alpina Zwölfzylinder, ein quasi handgebasteltes Cabrio und einen originalen Hartge Breitbau.
In den anderen Hallen gab es für Z3 Fans auch ein paar Fahrzeuge zu kaufen. Ein estorilblaues Z3 M Coupé mit ultraschlecht nachlackierter Heckpartie wurde schnell verkauft. Dagegen waren zwei durchaus passable Vierzylinder Roadster auch am Sonntag noch zu haben. Es mag an den ambitionierten Preisvorstellungen gelegen haben. Das Auktionshaus Classic Bid hatte dieses Jahr keine Z3 in der Versteigerung. Trotzdem fand die Auktion wieder viel Aufmerksamkeit und erzeugte einen erheblichen Menschenauflauf.
Wer sich übrigens gedacht hat, dass der auffällige Polizeischutz auf dem Messegelände der Retro Classics geschuldet war, stellte bei genauer Betrachtung einen anderen Grund fest. Zeitgleich zur Messe fand der CDU Parteitag auf dem Messegelände in Stuttgart statt. Vielleicht hat sich dadurch auch der eine oder andere Politiker oder Polizist die Oldtimermesse angeschaut. Der Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Z3 Club jedenfalls nicht am Stand besucht, auch wenn ich ihm gerne den Z3 von Andreas gezeigt hätte.
Dafür waren aber viele andere Besucher am Stand, die sehr viel Freude bereitet haben. Neben vielen Clubmitgliedern und Freunden von anderen BMW Clubs, die wir an unserem Z3 begrüßen durften, haben wir natürlich mit vielen Z3 Besitzern geredet. Es gibt gute Chancen, dass wir über diese Gespräche neue Mitglieder für den Club gewinnen konnten. Wie ich hörte, sind die ersten Mitgliedsanträge sogar schon eingegangen. Und dann gibt es natürlich immer viele Interessenten, die auf der Suche nach einem Z3 sind. Neben technischem Support für Z3 Besitzer gibt der Z3 Club also auch quasi Kaufberatungen. Und dann möchte ich noch ein besonders wertvolles Gespräch hervorheben, denn die Chefin der Ersatzteilfertigung von BMW Classic hat den Z3 Club auch am Stand besucht. Richy und ich haben die Gelegenheit genutzt und haben viel zu den Hintergründen der teilweise schwierigen Versorgung mit Ersatzteilen für den Z3 erfahren können. Von Lieferanten, die insolvent geworden sind, über defekte Werkzeuge bis hin zu Werkzeugverlagerungen zu neuen Lieferanten in anderen Ländern war eigentlich alles dabei, was die Ersatzteilverfügbarkeit erschwert. Aber es gibt gute Nachrichten: Alle Komponenten, die Richy und mir einfielen, werden in absehbarer Zeit wieder bei BMW Classic verfügbar sein. Auch wenn ich vermute, dass die Preise nicht niedrig sein werden, hilft es doch auch, den Gebrauchtteilemarkt wieder zu normalisieren und Mondpreise für schlechte, gebrauchte Ersatzteile zu verhindern.
Ein großes Dankeschön möchte ich noch an das Standpersonal richten, das wie in den letzten Jahren wieder ein tolles und großes Team war. Die Stimmung war hervorragend, sowohl auf der Messe, als auch an den gemeinsamen Abenden, wobei in guter Tradition an einem Abend BMW Classic alle Clubs, die auf dem Stand mitgeholfen haben, eingeladen hat. Ein herzliches Dankeschön auch hierfür! Jan, Thomas, Richy und ich waren an allen vier Tagen mit dabei. Vervollständigt wurde das Team von vielen weiteren Clubmitgliedern, die tageweise tatkräftig unterstützt haben. Trotzdem kamen unser Team mit den Gesprächen kaum hinterher. Das Interesse am Z3 bleibt auch weiterhin sehr groß, so dass jede mithelfende Person dazu beiträgt, dass mehr Fragen beantwortet und sich besser um die Messebesucher gekümmert werden kann.
Insgesamt ergibt sich aber für die Messe ein anderes Bild, welches – wie eingangs schon erwähnt – eher nachdenklich macht. Die Anzahl der Hallen war dieses Jahr vergleichbar mit dem Vorjahr, aber auffällig war, dass viele Hallen nicht voll belegt waren. Auch in Halle 7 musste ein großflächiger Süßwarenstand und einige weitere Catering-Stände Lücken füllen. In anderen Hallen waren die „Löcher“ unübersehbar. Die Anzahl der Aussteller dürfte rückläufig gewesen sein. Auch war auffällig, dass einige Aussteller nur sehr einfache Stände hatten. Es wird offenbar überall gespart – außer bei BMW habe ich das so nicht empfunden. Und dazu passt auch, dass die Anzahl der Besucher von uns als rückläufig empfunden wurde. Eigentlich war es nur am Samstag so richtig voll. Ob es nun an dem frühen Messetermin liegt, ob es daran liegt, dass die Oldtimer-Sammler älter werden und kein Nachwuchs mehr nachkommt oder ob es an den hohen Eintrittspreisen liegt, was von vielen Besuchern gesagt wurde, jedenfalls stimmt diese Entwicklung nachdenklich. Es macht uns gespannt auf die kommenden Jahre, die zeigen werden, ob sich die Situation stabilisiert, vielleicht auch auf etwas niedrigerem Niveau oder ob sich ein Abwärtstrend fortsetzt.
Auf nächstes Jahr dürfen wir alle jedenfalls sehr gespannt sein, liegt doch der Messetermin 2027 über das Wochenende mit dem 1. Mai. Winterliches Wetter ist da sicher nicht zu erwarten, aber ob die Oldtimer-Fans nicht das Wochenende für erste Touren nutzen, bleibt abzuwarten. Optimal finde ich diese Terminlage leider auch nicht.
Martin Rehkate